Buchshop
und Lesetipps
urbs - media
http://www.urbs.de
zur Startseite von urbs-media  zur Homepage
zur Übersicht  zur Übersicht

Der E-Postbrief der Deutschen Post AG: Nützliche Innovation oder überflüssig wie ein Kropf?


urbs-media, 19.7.2010: Seit dem vergangenen Mittwoch bietet die Deutsche Post AG mit großem Mediengetöse den so genannten E-Post-Brief an. Im Zuge dieser Werbekampagne wurden flächendeckend an alle Haushalte in Deutschland auch entsprechende Postwurfsendungen verteilt, die den neuen Dienst der "Post im Internet" vorstellen. Da heißt es in der Werbung der Deutschen Post AG dann z.B. "verbindlich, vertraulich und verlässlich". Was der neue Dienst aber tatsächlich kostet, das bleibt auch nach aufmerksamer Lektüre des Werbeschreibens im Dunkeln.

Vorab wollen wir erläutern, was überhaupt ein E-Postbrief ist und wie man ihn gegebenenfalls nutzen kann. Und hier kommt erst einmal die Bürokratie ins Spiel. Denn wer einen derartigen elektronischen Brief verschicken will, der muss sich im Internet zuerst einmal eine persönliche E-Postbrief-Adresse sichern. Dies ist wie eine E-Mail-Adresse, nur bei der Post, z.B. Fritz-Mueller@epost.de.

Bei der Anmeldung muss der Interessent neben den persönlichen Daten auch seine Handynummer angeben, denn die Post versendet die entsprechende Authentifizierungsdaten ausschließlich per Handy-SMS. Der Anmelder erhält dann von der Deutschen Post AG einen so genannten POSTIDENT-Coupon. Dieser Coupon muss dann zusammen mit dem Personalausweis oder Reisepass in einer beliebigen Postfiliale vorgelegt und die Übereinstimmung der Daten im Postident-Verfahren bestätigt werden. Schließlich erhält der Anmelder nach einigen Tagen dann eine SMS über die erfolgte Freischaltung an die von ihm genannte Handynummer.

Soweit ist das Verfahren für den Anmelder auch kostenlos. Was dann aber die laufenden Kosten für den E-Postbrief angeht, da langt die Post nach Meinung der urbs-media Redaktion gewaltig zu. Denn was beim normalen E-Mail-Verkehr völlig kostenlos ist, kostet bei der Deutschen Post AG mindestens 0,55 Euro pro Nachricht. Dieser Preis gilt im übrigen auch dann, wenn der elektronische Brief von der Post ausgedruckt und im Umschlag wie ein gewöhnlicher Brief dem Empfänger zugestellt wird, vorausgesetzt es sind nicht mehr als drei Seiten.

Die Preise für den E-Postbrief (klassische Zustellung per Postbote)

Art Gewicht Seiten Porto Seitenpreis in
Schwarz/Weiß
Seitenpreis in
Farbe
Standard bis 20 g 1 - 3 0,55 EUR inclucive 0,10 EUR
Kompakt bis 50 g 4 - 9 0,90 EUR 0,10 EUR 0,20 EUR
Groß bis 500 g 10 - 96 1,45 EUR 0,10 EUR 0,20 EUR

Der Preis für den E-Postbrief (elektronische Zustellung)

Art Größ Porto
E-Post-Brief bis 20 MB 0,55 EUR

Beispiel: Sie versenden einen 30-seitigen Brief, der dem Empfänger per Postbote zugestellt werden soll. In diesem Fall beträgt das Grundporto 1,45 Euro zuzüglich 0,10 Euro pro Druckseite. Insgesamt kostet ein derartiger Brief daher 4,45 Euro in schwarz/weiß bzw. 7,45 Euro bei Farbdruck.

urbs-media Praxistipp: Viele Leser werden nun schlichtweg fragen: "Was soll das? Ich bin doch nicht blöd!". Diese Frage haben wir uns auch gestellt und sind ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass zumindest Privatanwender keine E-Post-Adresse brauchen. Wir raten sogar dringend von einer Registrierung ab, weil Ihnen dann auch auf elektronischem Weg rechtsverbindliche Erklärungen zugehen können, die man Ihnen ansonsten in den Briefkasten einwerfen müsste. Sie sind als registrierter E-Postbrief-Nutzer folglich gezwungen, Ihr Online-Postfach täglich auf eingehende Post hin zu kontrollieren, wenn Sie mögliche Rechtsnachteile vermeiden wollen.

Anders sieht die Sache hingegen für Geschäftskunden aus. Hier kann es sich durchaus lohnen, große Teile der Korrespondenz über die Deutsche Post abzuwickeln. Denn die Post wirbt speziell um Geschäftskunden und bietet hier Sonderkonditionen an. Und da wären wir dann bei einem weiteren Problem für die Privatanwender: Vermutlich wird sich das private Postbrief-Konto im Internet schon bald mit Werbemüll füllen. Und dann schützt Sie auch kein SPAM-Filter vor derartigen Belästigungen.

Unser Fazit daher: Man soll nicht gleich über jedes Stöckchen springen und erst einmal in Ruhe abwarten, wie sich die Sache entwickelt. Und in einigen Monaten kommen dann auch andere Anbieter mit hoffentlich günstigeren Konditionen auf den Markt der elektronischen Briefe. Und wenn es tatsächlich einmal schnell gehen soll und es um rechtssichere Erklärungen geht, da gibt es ja immer noch das gute alte Faxgerät!

B
U
C
H
urbs-media Literaturtipp

Weiterführende Fach-Literatur zum "E-Mail" finden Sie in unserer umfangreichen Literaturdatenbank. Wir liefern versandkostenfrei ab einem Bestellwert von 20 Euro und auf Wunsch gegen Rechnung.

Literaturliste anzeigen ...

T
I
P
P



urbs-media GbR
http://www.urbs.de