Der amerikanische Hypothekenmarkt steht jetzt vor dem endgültigen Knock-Out
urbs-media, 1.11.2010: Schon vor über drei Jahren hatten wir an dieser Stelle im August 2007 vor den negativen Folgen der US-Hypothekenkrise für das weltweite Finanzsystem und vor einer Rezession in Deutschland gewarnt. Denn zahlreiche Kreditinstitute in den USA hatten in den vergangenen Jahren Millionen von Immobilien durch Hypotheken finanziert, ohne die Bonität der Erwerber auch nur zu prüfen. Als den Bankmanagern klar wurde, welche Risiken sie mit diesen so genannten Sub-Prime-Krediten angehäuft hatten, wurden die faulen Hypotheken zu Wertpapieren gebündelt und diese Papiere dann für viele Milliarden Dollar weltweit an leichtgläubige Investoren verkauft. Als besonders aufnahmefähig für diese amerikanischen Schrottpapiere erwies sich dabei der deutsche Finanzmarkt. Und so musste die Bundesregierung auf Kosten der Steuerzahler einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag zur Banken-Rettung bereit stellen.
Die eigentliche Hypothekenkrise in den USA beginnt erst jetzt
Inzwischen wird insbesondere in Deutschland der Eindruck erweckt, als hätte das internationale Bankensystem die Verluste durch die amerikanischen "Schwindelhypotheken" weitgehend verdaut. Dies ist jedoch eine plumpe Lüge, wie ein Blick nach Amerika und insbesondere auf die dortigen Wirtschaftsnachrichten zeigt. Denn während in Deutschland die Bundesregierung und die Systemmedien fröhlich das "ewige Märchen vom Aufschwung" verbreiten, droht in den USA der vollständige Zusammenbruch des Immobilienmarktes.
Konkret geht es um die Zwangsvollstreckung wegen rückständiger Zins- und Tilgungszahlen. Gegenwärtig befinden sich in den USA etwa 1,2 Mio. Häuser im so genannten Foreclosere-Verfahren, also in der Zwangsvollstreckung, weil die Eigentümer zahlungsunfähig sind. Seit dem Beginn der Hypothekenkrise in den USA im Jahr 2007 wurden bisher gut 3 Mio. Häuser zwangsgeräumt und gegenwärtig stammt jede vierte verkaufte US-Immobilie aus einer Zwangsversteigerung.
Lug und Trug bei den amerikanischen Banken
In den US-Medien hört und liest man jetzt, dass dieses System von Zwangsversteigerungen und Zwangsräumungen auf Druck der amerikanischen Bundesanwaltschaft gestoppt werden musste. Hintergrund sind Fälle, in denen sich mehrere Banken vor Gericht um das Vollstreckungsrecht aus ein und der selben Hypothek gestritten haben. Denn wegen der Bündelung und Stückelung der Hypothekenkredite in Derivaten und Fonds kann nun niemand mehr nachvollziehen, wer der tatsächliche Hypothekengläubiger ist und wer damit die Immobilie für sich verwerten darf. Es soll sogar Fälle geben, in denen angebliche Hypothekengläubiger aus Grundpfandrechten vollstrecken wollen, die von den Hauseigentümern längst abgelöst worden sind. Dies legt die Vermutung nahe, dass amerikanische Banken die Erwerber der Hypothekenpapiere nicht nur über die Bonität der Schuldner getäuscht haben, sondern in betrügerischer Absicht an die Investoren auch schlichtweg erfundene Hypotheken verkauft haben.
Sie werden jetzt fragen, was geht es mich an, wenn in den USA das Grundbuchsystem versagt und Zwangsversteigerungen und Zwangsräumungen zumindest zeitweilig nicht mehr möglich sind? Die Amis sind doch weit weg! Dies mag zwar geografisch richtig sein, wirtschaftlich betrachtet stecken aber auch viele deutsche Kreditinstitute tief im amerikanischen Hypotheken-Sumpf.
Die meisten Deutschen leben im Tal der Ahnungslosen
In der Ausgabe vom 20.10.2010 der Wiener Zeitung Kurier konnte man folgendes lesen: "Nirgendwo in den USA hat die Immobilienkrise tiefere Schneisen geschlagen als in Slavic Village, einer einst blühenden Vorstadt von Cleveland (Ohio). Weil sie ihre Kreditraten nicht zahlen konnten, wurden die Besitzer der meisten Häuser schon vor Monaten rausgeworfen, ganze Straßenzüge verfallen. Ein Geldinstitut, das besonders viele der Schrotthäuser in Slavic Village besitzt, ist die Deutsche Bank."
Nun fragen Sie sich einmal, warum man derartige Nachrichten zwar in den deutschsprachigen Zeitungen im Ausland (z.B. Kurier oder NZZ) liest, der durchschnittliche Nachrichtenkonsument in Deutschland aber keine Ahnung davon hat, was in der Welt wirklich vorgeht. Nun: Die Wahrheit über die wirtschaftliche Lage würde das von der Bundesregierung und den Systemmedien verbreitete "Märchen vom Aufschwung" empfindlich stören. Von den wirtschaftlichen Risiken durch die betrügerischen Hypothekenpapiere der US-Banken erfährt man als Deutscher folglich nur im Internet oder als Leser des Handelsblatts oder der Financial Times Deutschland. Wenn Sie wissen wollen, wie man im Ausland über die so genannten "deutschen Qualitätsmedien" berichtet, dann lesen Sie doch einfach einmal den Beitrag "Deutsche Medien - Verlacht, verhöhnt und verspottet" im Schweiz-Magazin vom 22.10.2010.
Es drohen weltweit weiter Milliardenverluste durch die Hypothekenkrise
Diesem Hypothekenchaos in den USA wird die Krone dadurch aufgesetzt, dass in den Zwangsversteigerungsverfahren nachweislicht mit gefälschten Urkunden gearbeitet wird. Denn wegen der Verbriefung der Hypothekenforderungen sind die jeweiligen Gläubiger nicht mehr wie vom Gesetz gefordert durch Urkunden nachweisbar. Deshalb auch der vorläufige Stopp der Zwangsversteigerungen in den meisten US-Bundesstaaten.
Für die USA bedeutet dies, dass Millionen Häuser nun unverkäuflich sind. Wer wird schon Geld für eine Immobilie in der Zwangsvollstreckung zahlen, solange keine Rechtssicherheit darüber besteht, dass er an dem Haus tatsächlich lastenfreies Eigentum erwirbt. Und auch diejenigen Menschen, die bereits ein Haus ersteigert haben, leben jetzt buchstäblich auf dem Pulverfass: Denn jederzeit kann ein anderer so genannter Hypothekengläubiger kommen und die Immobilie für sich reklamieren.
Das Märchen vom Aufschwung scheitert an der wirtschaftlichen Realität
Es gibt zwar einen neues Gesetz in den USA, das die Zwangsvollstreckungen trotz formeller Illegalität für wirksam erklärt. Allerdings hat Präsident Obama dieses Skandalgesetz zu Gunsten der betrügerischen US-Banken bisher noch nicht unterzeichnet. Vermutlich hängt jetzt alles davon ab, wie die Kongress- und Senatswahlen am 2. November ausgehen.
Eines ist jedoch klar: Die USA schlittern noch tiefer in die Rezession und auch ausländische Banken werden zusätzliche Verluste in Milliardenhöhe erleiden, weil sich die angeblichen Sicherheiten für die Hypothekendarlehen in Luft auflösen. So rechnen Experten alleine für die beiden verstaatlichten US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac mit einem weiteren Unterstützungsbedarf aus Steuergeldern im Umfang von bis zu 300 Mrd. Dollar. Und auch deutsche Kreditinstitute müssen vermutlich weitere Milliardenbeträge als Verlust aus ihrem Engagement in US-Hypothekenpapiere abschreiben. So scheitert das deutsche Märchen vom Aufschwung schlichtweg an der globalen wirtschaftlichen Realität.
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